Geräuschvolle Stille – mit Lärm gegen Lärm

Raus aus der Akustik-Falle!

Nichts ist beständiger als der Wandel. Dies gilt, laut einer Studie, auch für starre Schreibtische, die in der heutigen Zeit weder Kreativität noch Inspiration fördern. Komplexe Aufgaben und Projekte stehen für Teamarbeit sowie einen lebendigen Austausch. Tschüss, „Einzelkämpfer-Kammer“. Identität, Mitverantwortung, vor allem jedoch Wettbewerb, verdrängten in den letzten Jahren die alte, eingestaubte „Kontor-Philosophie“ und so liegen heute elegante Großraumbüros im Trend. Et kütt, wie et kütt, sagt man auf Kölsch.


OpenSpace-Offices, klingt klingonisch, ist aber nur eine trendy Beschreibung für moderne Bürolandschaften, die oft Hotellobby-Dimensionen annehmen. Aus Team-Inseln werden Think Tanks und Huddle Spaces stehen für Begegnungs-Zonen / Besprechungs-Ecken. Lounges nebst Ruhe-Pools ergänzen die schicken Transparenz- und Kommunikations-Welten.
Arbeitspsychologisch gibt es genügend Gründe für die engere Zusammenarbeit in einer offenen Büroumgebung, kann man sich doch so mit Kollegen*innen über Team- und Abteilungsgrenzen hinweg schnell und unkompliziert austauschen. Keinerlei feste Sitzordnungen mehr, stattdessen moderne Sitzecken, quietschbunte Sessel und Rückzugsmöglichkeiten für spontane Meetings.

Variable Büroelemente, die je nach Aufgabenstellung funktionieren. Agile Arbeitswelten fördern eine kommunikative, soziale Zusammenarbeit, die Vorstands-Etage ist entzückt. Vorzüge, wohin man auch blickt. Ist das wirklich so? Diese populären OpenSpace-Areale erzielen im kommunikativen, sozialen Bereich jede Menge Pluspunkte, vom akustischen Standpunkt aus gesehen, sind sie alles andere als vorteilhaft. Lärm, vor allem der unkontrollierte, macht viele positive Aspekte offener Büros zunichte. Der moderne Worker möchte den Zustand erleben, welcher in einer Bibliothek seit Jahren vorherrscht: angenehme Stille. Jene gilt es von der absoluten Stille zu unterscheiden, denn solch einen akustischen Zustand zu erreichen, wäre unsinnig und irritierender Störfaktor zugleich. Nervosität, Übelkeit, Unwohlsein – dies sind noch die harmlosesten Reaktionen, auf die der menschliche Körper in einem Raum ohne Schallreflektion reagiert. Ein gesunder Geräuschpegel muss sogar zwingend vorhanden sein.

Konzentration und das Geräusche-Dilemma im Hintergrund

Die Arbeitsumgebung sorgt für eine direkte Kommunikation, welche wiederum dazu führt, dass das zwangsläufige Mithören von Gesprächen als besonders störend empfunden wird. Beim täglichen Informationsaustausch bekommt X mit, was XY tut, und umgekehrt. Konzentration auf die eigene Arbeit wird erschwert, wenn man stets und ständig andere Telefonate mithört, die man aber partout nicht mithören will. Unser Gehirn ist äußerst neugierig und versucht stets, einen Zusammenhang aus jedem Wortfetzen zu konstruieren, ständig auf der Suche nach noch mehr „akustischem Gehör-Futter“.
Dies führt unweigerlich zur Ablenkung, die Konzentration lässt sofort nach und ein nerviger, störender, stressiger Arbeits-Kreislauf nimmt Fahrt auf, denn technische Geräte nerven ebenfalls und tragen nicht wirklich zur Entspannung der Situation bei. Anders als bei den Augen, die man schließen kann, um den Prozess zu unterbrechen, funktioniert das mit den Ohren leider nicht. Mitunter bis zu 20 Minuten dauert ein solcher Vorgang, bis der Status volle Konzentration wieder erreicht ist.

Großraumbüros bringen spezielle Anforderungen an die Akustik mit sich. Einerseits sollen kommunikative Umgebungen geschaffen werden, anderseits sollen sich die Mitarbeiter nicht gegenseitig stören. Der Ursprung des Widerspruches in Reinkultur oder anders ausgedrückt: Macht es bitte leiser, aber wenn möglich, auch irgendwie wieder nicht, ein bisschen laut mit drin und so. Aha! Zur Verbesserung der Arbeitskultur wird allgemein zwar eine hohe Sprachverständlichkeit angestrebt, aber eigens in Großraumbüros ist eine große Sprachvertraulichkeit erwünscht. Zusätzlich zum Parameter Nachhall schließt Schallmaskierung diese spezielle akustische Lücke. Verständlichkeit wird durch positive Hintergrundgeräusche heruntergeregelt und die gewichtige Vertraulichkeit dadurch bestmöglich erhöht.

Eine Methode, den Hintergrund-Geräuschpegel zu beeinflussen, erreicht man durch den gezielten Einsatz von elektroakustischer Schallmaskierung. Das Prinzip besteht darin, einen störenden Ton mit einem beruhigenden oder weniger aufdringlichen Geräusch zu überdecken. Und da hat der Markt für den Interessenten allerhand zu bieten, z. B. adaptive (anpassungsfähige) Software, die produktivitätsschädlichen Nebenwirkungen offener Bürolandschaften effektiv entgegenwirkt. Der Wunsch geht von einem harmonisch, produktivem Klangumfeld aus, welches sicherstellt, einen hochwertigen Service aufrechtzuerhalten, um perfekte Kundenbindung zu sichern. Schallmaskierungs-Lösungen gleichen den schwankenden Geräuschpegel in einer Büroumgebung aus, indem sie natürlichen oder künstlichen Schall hinzufügen – der bereits erwähnte Widerspruch einige Zeilen zuvor.

Klanglandschaften und ihre beruhigende Wirkung

Das Hören natürlicher Klanglandschaften bewirkt einen erholsamen Effekt auf die menschliche Psyche, dies ist wissenschaftlich in Stein gemeißelt. Entspannung, Wohlbefinden, all dies verbindet man mit Gedanken in die Natur, ob im Wald oder am Meer. Kurz die Augen schließen, auf einer Sehnsuchts-Insel wie Mauritius dem Wind und den Wellen lauschen, das stachelt sofort wieder zu Höchstleistungen an. Diese perfekten Klanglandschaften findet man mittlerweile immer häufiger im Büro. Durchschnittlich verbringen wir ca. 85% unserer Zeit in Innenräumen. Man kennt bis heute nicht so ganz genau die magische Wirkung dessen, was eigentlich passiert, wenn Papa oder Mama bis drei zählen, aber es steht, die Magie betreffend, nun einmal unverrückbar fest: Hören wir das Plätschern eines Baches oder die Meeresbrandung, fühlen wir uns wohl. Daran knüpfen, übertragen auf die Arbeit, Motivation sowie enorme Steigerung des Produktivitätsniveaus – verbriefte, einwandfreie Schlüsselfaktoren einer naturalistischen Umgebung.

Es gibt bereits elektronische Verfahren, die Stimmen in einem Umgebungsgeräusch maskieren können, also gezielt unverständlich machen. Sound-Masking-Systeme beschallen seit etlichen Jahren in der „Wohlfühl-Edition“ Büros mit weißem Rauschen, ein höhenbetontes Geräusch, das über ein leistungskonstantes Signal in einem Frequenzband verfügt. Auf diese Weise sinkt die Sprachverständlichkeit und die Gespräche der Kollegen werden subjektiv als weniger lästig empfunden, wenn man sie mit weißem Rauschen überlagert. Das gleichmäßige Rauschen „beschäftigt“ das Gehirn, ohne es jedoch zu überfordern. Nicht erwünschte Geräusche mit anderen Geräuschen zu verdrängen – bitteschön, das „Geheimnis der akustischen Zauberei“ ist gelüftet.

Soundscaping surft auf einer anderen akustischen Welle. Die Basisfaktoren Sprachverständlichkeit und Reduzierung bleiben, aber dieses Schallmaskierungssystem nutzt, inspiriert durch das natürliche Rauschen von Wasser, ein Klangerlebnis, welches nachträglich zum Wohlergehen beiträgt. Technisch verwirklicht wird dies durch mehrere Sensoren, die von der Decke herabhängen oder in sie eingebaut sind. Permanent verfolgen diese den Schallpegel im Büro. Via Deckenlautsprecher legt sich dann der „Wasserrausch-Soundteppich“ über das Büro – wahrgenommen als natürliche Einheit der Umgebung. Durch die intelligente Umsetzung des Systems wird das Rauschen gezielt an den Stellen im Büro punktuell um ein bis zwei Dezibel angehoben, an denen es nötig ist. Was nun folgt, scheint nicht von dieser Welt zu sein: Das System erkennt sofort eine Gruppe von Leuten, die miteinander reden und trennt jene automatisch akustisch von anderen Personen. Innerhalb der Gruppe wird munter weiter geplappert, aber Außenstehende können die Gespräche nicht identifizieren, was zur Folge hat, dass sie nicht gestört werden.

Na, liebe Leser*innen sind Sie beeindruckt? Nicht so ganz, dann setzen wir noch einen drauf:
Setzt sich nun die Gruppe in Bewegung, verschiebt sich der maskierte Bereich ebenfalls, da das System adaptiv arbeitet. Beeindruckend, oder? Sämtliche Prozesse steuert und kontrolliert ein kleiner Rechner, der auf den Namen Zone Controller hört. Bereiche räumlich voneinander zu trennen, entfällt somit gänzlich.

Akustik in der „Wohlfühl-Edition“

Als optische Ergänzung montiert man unter der Decke oder an der Wand sogenannte „Digital Skylights“, die als Monitor bzw. Display Natürliches in Endlosschleife zeigen, allen voran visuell anmutende Wasser- und Meeresszenen. Es versteht sich von selbst, dass diese exakt auf den Sound zugeschnitten sind, der über die Lautsprecher ertönt. Es entsteht eine soziale Peripherie, in der alle entspannt und harmonisch zusammenarbeiten. Nach Einführung von Soundscaping, so eine weitere Studie, stieg die Produktivität um 15, kreatives Denken sogar um 32 Prozent. In einer Welt, in der eigentlich alles immer schlimmer wird, sind „diese gutmütigen Geräusche“ doch mal positive Nachrichten – und genau solche braucht der Mensch.

 

Fazit:
Zu Ruhe und optimalen (entspannten) Nebenwirkungen fragen Sie die Akustik-Experten von ProCom-Bestmann.

 

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Der Artikel wurde im Fachmagazin LÄRMBEKÄMPFUNG veröffentlicht.

Über VDI-Lärmbekämpfung

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Objektprofil „Lärmbekämpfung“
Lärmbekämpfung ist die einzige deutschsprachige Zeitschrift für das gesamte Gebiet der Akustik, des Schallschutzes und der Schwingungstechnik und damit ein aufmerksamkeitsstarker Werbeträger. Sie versteht sich als interdisziplinärer Fachtitel für die Lärmwirkungsforschung, aber auch für wissenschaftliche und praxisbezogene Originalbeiträge über technische Möglichkeiten zur Lärm- und Schwingungsminderung.